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More detailsAm 12. Januar 1928 wird Ruth Snyder in einem New Yorker Gefängnis wegen Mordes hingerichtet. Die Boulevardpresse schürt die öffentliche Schaulust und druckt ein brutales Foto der Vollstreckung ab. Sechs Monate später greift die US-amerikanische Dramatikerin und Journalistin Sophie Treadwell den spektakulären Fall auf und entwickelt daraus ihr erfolgreichstes Stück »Machinal«, das im selben Jahr am Broadway uraufgeführt wird. Konträr zur Presse geht Treadwell nicht mit der Delinquentin ins Gericht, sondern mit der patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaft, die eine »gewöhnliche junge Frau« in eine für sie existenziell trostlose Lage gebracht hat. In neun Szenen verfolgt das Publikum unterschiedliche Stationen ihres Lebens: ein monotoner Bürojob, unglückliche Heirat, ungewollte Mutterschaft und eine hoffnungslose Affäre. Verzweifelt versucht die im Stück namenlose Frau ihr Glück zu finden, indem sie den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht wird, bis sie an eben diesen zerbricht. Was Treadwells Text so einzigartig macht, ist seine vom Expressionismus inspirierte Form, die uns in das Innenleben der Protagonistin eintauchen lässt – schroff, mechanisch, zerrüttet.…
Obwohl »Machinal« von der Zeitung »The Guardian« unter den 101 besten Stücken aus dem westlichen Sprachraum gelistet wurde, ist die Autorin Treadwell in Vergessenheit geraten. Im Rahmen unserer erfolgreich etablierten Programmlinie der Kanonerweiterung zeigen wir dieses Fundstück der dramatischen Literatur erstmals im deutschsprachigen Raum. Die Arbeit der Regisseurin Sophie Glaser zeichnet sich durch großes Formbewusstsein und eine feine Figurenzeichnung aus, die genau mit Treadwells expressionistischem Text resonieren.
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